Wahlprüfsteine der Initiative “Gesundheit wählen”

Folgendes habe ich auf die Wahlprüfsteine der Initiative “Gesundheit wählen” geantwortet:

Viele Patienten in Deutschland befürchten in der Zukunft Qualitätsverluste bei der Gesundheitsversorgung. Das betrifft auch unseren Wahlkreis.

Warum sollen vor diesem Hintergrund die Bürgerinnen und Bürger Ihnen am 22. September ihre Stimme geben?

Auch wenn wir Piraten uns gern als Liberal bezeichnen, so sind wir uns darin einig, dass die Daseinsvorsorge, zu der das Krankensystem zweifellos gehört, in der öffentlichen Hand besser aufgehoben ist als im freien Markt. Wir haben erlebt, wie unsere soziale Marktwirtschaft mehr und mehr privatisiert wurde. Wir erleben jetzt, dass dies vielleicht zugunsten einiger Weniger funktioniert, der größte Teil der Bevölkerung jedoch nur Nachteile daraus erfährt. Hier muss also eine Rückbesinnung stattfinden. Wir möchten das Gesundheitssystem auf ein steuerfinanziertes Modell umstellen und die marktwirtschaftliche Konkurrenzsituation auf Kosten der Gesundheit damit beenden.


Gesundheitspolitik kann nur bürgernah sein, wenn sie alle Beteiligten mit einbezieht.

Wie sollte die Kompetenz der verschiedenen Partner, wie zum Beispiel der Ärzte oder der Apotheker, bei gesundheitspolitischen Entscheidungen, wie der Gestaltung und Qualitätssicherung des Gesundheitswesens, aus Ihrer Sicht künftig einbezogen werden?

Ich würde es als sinnvoll erachten, ein ständiges, paritätisch besetztes Gremium einzurichten welches an Gesetzgebungsverfahren beteiligt ist. Ähnlich sehen wir dies, und das ist im Gegensatz zu meinem Vorschlag Parteikonsens, beim Thema Mindestlohn. Allerdings erachte ich eine maßgebliche Beteiligung der Patientenvertretungen, welche wir stärken wollen, ebenfalls als eminent wichtig.


Der demografische Wandel stellt unser Gesundheitssystem vor vielfältige Herausforderungen: Beispielsweise steigt die Zahl älterer Menschen, die aufgrund verschiedener Krankheiten gleichzeitig mehrere Medikamente einnehmen müssen, aber Schwierigkeiten haben, ihre Therapie zu verstehen und zu managen.

Welche Erwartungen haben Sie insbesondere an die Apotheken in unserem Wahlkreis bei der Bewältigung dieser Herausforderung?

Ich sehe hier keinen Bedarf an einer Änderung der Vorgehensweise der Apothekerinnen und Apotheker im Kreis Soest – die Beratung zur Medikation empfinde ich als Vorbildlich. Lediglich einen Wunsch hätte ich: Wenn die Zusammensetzung der Medikation empfindliche, langfristige Nebenwirkungen erwarten lässt, so sollte der Kunde über mögliche dämpfende Präparate, Alternativen oder Ernährungsweisen geraten werden.


150.000 Beschäftigte in 21.000 Apotheken versorgen bundesweit täglich 4 Millionen Patienten. Die Aufgaben der Apotheken sind dabei vielfältig.

Welche Funktionen sollen die Apotheker in der modernen Arzneimitteltherapie Ihrer Meinung nach künftig noch stärker übernehmen?

Wie bei der letzten Frage geschildert wünsche ich mir eine ganzheitliche Beratung des Patienten. Hierzu müssen dem Apotheker natürlich alle Informationen zugänglich sein. Wichtig ist auch, das die Apotheker erkennen, ob verschiedene Medikationen gegenläufig reagieren, sprich, die Apotheker sollten die Ärzte ein Stück weit kontrollieren.


Die Menschen wünschen sich eine wohnortnahe, hochwertige Arzneimittelversorgung. Bedingung dafür ist eine solide wirtschaftliche Basis der Apotheken. Anforderungen, Bürokratie und Kosten steigen laufend – die Vergütung aber nicht im gleichen Maße.

Wie könnten diese Rahmenbedingungen künftig bei der Honorierung berücksichtigt werden?

Zunächst einmal setzen wir uns verstärkt für einen Bürokratieabbau in allen Lebensbereichen ein, was selbstverständlich auch für Ihre Branche gilt. Mein Vorschlag für die erste Frage beinhaltet bereits ein ständiges Gremium, welches die Interessen der Beteiligten angemessen vertreten soll. Dieses Gremium sollte auch ein sogenanntes “Vorschlagsrecht” beinhalten, sprich, wenn die Apothekerinnen und Apotheker finanziell nicht mehr klarkommen, so sollten sie dort eine entsprechende Gesetzesänderung einbringen können.


Jeder dritte Deutsche erwartet in Zukunft noch mehr pharmazeutische Beratung in Wohnortnähe. Dazu werden auch viele junge Apotheker und PTA gebraucht, die eine Apotheke leiten beziehungsweise dort arbeiten.

Wie wollen Sie diese Entwicklung in unserem Wahlkreis befördern?

Wir Piraten setzen uns für faire Bildungschancen für alle ein. Dies halten wir für absolut notwendig, damit nicht nur die Geldelite in der Lage ist ein längeres Studium vorzufinanzieren um anschließend einen erfüllenden Beruf wie den des Apothekers ergreifen zu können. Möglicherweise muss man auch über fortführende Qualifizierungsmaßnahmen für PTA nachdenken, um auch diese zum leiten einer Apotheke zu berechtigen.


Die Landesgesundheitskonferenz in Nordrhein-Westfalen hat 2012 beschlossen, die Sicherheit bei der Therapie mit Arzneimitteln (AMTS) zu verbessern – auch mit dem zentralen Ziel, die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Medikamente zu reduzieren. Bis zu fünf Prozent der Kranken­hauseinweisungen sind Folge unerwünschter Arzneimittelwirkungen – das entspricht rund 215.000 Fällen pro Jahr allein in NRW. Mehr als 60 Prozent dieser Fälle könnten vermieden werden. Das heißt: Es besteht bei diesem aus Patientensicht immer wichtiger werdenden Thema dringender Handlungsbedarf – nicht nur in NRW, sondern bundesweit. Die Apotheker haben hier bereits die Initiative ergriffen und Lösungsansätze entwickelt, um ihr pharmazeutisches Wissen künftig aktiver einzubringen.

Wie wollen Sie sich bei einer Regierungsbeteiligung für Maßnahmen zur Verbesserung der AMTS einsetzen, damit diese als fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland möglichst schnell eingeführt werden können?

Das mit der Regierungsbeteiligung schmeichelt mir :-)

Wie bei den letzten beiden Antworten bereits angedeutet halte ich es für wichtig, dass den Apothekerinnen und Apothekern stets die volle Medikation der Patienten bei einer Verschreibung mitgeteilt wird, damit diese möglicherweise korrektiv eingreifen können. Dies könnte man bei den Ärzten automatisieren, und ich würde anstreben, diese Forderung in ein Gesetz zu überführen.


Pharmazeutisch-technische Assistenten (kurz PTA) arbeiten in Apotheken, Krankenhäusern, Behörden, Universitäten, Laboren, Versicherungen, der öffentlichen Verwaltung oder in der Pharmaindustrie. Als gut ausgebildete Fachkräfte sind sie für eine umfangreiche Gesundheitsversorgung unerlässlich. In Zeiten des demographischen Wandels werden Sie mehr denn je gebraucht. Anders als bei Studenten, für die Studien-gebühren abgeschafft sind, müssen PTA-Schüler in NRW ihre Ausbildungskosten selbst tragen. Mit diesem Jahr zieht sich das Land sukzessive aus der Bezuschussung der PTA-Schulen zurück. Folge: Die Schüler zahlen bis zu 378 Euro – pro Monat. In allen anderen Bundesländern, außer Hessen, ist die Ausbildung kostenfrei. Auch wenn Bildung primär Ländersache ist, wirkt sich dies auf die bisher noch wohnortnahe Ausbildung von über 2.000 PTA-Schülern aus.

Was werden Sie tun, damit die PTA-Schüler in Ihrem Wahlkreis faire und verlässliche Rahmenbedingungen für Ihre Ausbildung erhalten?

Ich habe einen guten Draht zum Gesundheitspolitischen Sprecher der Piratenfraktion im Landtag NRW, möglicherweise kann ich mich auch unabhängig von meiner Wahl in den Bundestag bereits für eine Förderung der PTA-Schulen einsetzen.

Dies wäre aber nur eine kurzfristige Lösung. Langfristig würde ich es für sinnvoll halten, den PTA zu einem vollständigen Lehrberuf umzubauen, um den Apotheken die Möglichkeit zu geben, eigenständig um Auszubildende zu werben und sich um diese zu kümmern.

Was denkst du?