Schöne neue Arbeitswelt

Seit geraumer Zeit verschärft sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt erheblich, viele der arbeitsrechtlichen Errungenschaften unserer Großeltern gehen allmählich den Bach runter. Ich möchte gern einen Blick auf die Ursachen und den Ist-Zustand werfen.

Mit Einführung von Hartz IV durch rot-grün als Teil der Agenda 2010 wurden Langzeitarbeitlosigkeit und soziale Bedürftigkeit (also die Abhängigkeit von Sozialhilfe, durch welche Lebensumstände auch immer) zusammengelegt und über einen Kamm geschert; hier gibt es nun also lediglich arbeitsfähige Langzeitarbeitslose. Es wurden sogenannte “Eingliederungsverträge” geschaffen, die zum Ziel hatten die Arbeitslosen möglichst rasch wieder in Arbeit zu bekommen. Als Druckmittel wurden Sanktionen eingeführt, die eine Streichung des Bezugs und auch der Mietzulage um bis zu 100% ermöglichen (faktisch: Obdachlosgikeit, Hunger). Natürlich springert die bürgerliche Presse immer brav auf diesen Zug auf und pickt sich Einzelfälle von unbootmäßigen Verhalten Arbeitsloser heraus, um darüber zu berichten und Stimmung zu machen.

Gleichzeitig werden die Mitarbeiter im Arbeitsamt, jetzt “Fallmanager” genannt, ebenfalls in eine schlechtere Situation gebracht und werden mit Zeitverträgen eingestellt. Es ist anzunehmen, das klar gesagt wird das sie ihre “Quote” zu erfüllen haben damit dieser Zeitvertrag verlängert wird – reden tut da natürlich niemand drüber. Was also passiert? Die Fallmanager versuchen mit allen, auch unerlaubten, Mitteln Leute aus ihrem Beratungspool verschwinden zu lassen damit sie selbst für eine Verlängerung besser dastehen. Da ist man schnell mal mit einer Sanktion zur Hand wenn der “Kunde” nicht spurt, Anträge werden “vergessen”, in die Eingliederungsverträge werden Dinge geschrieben die klar Gesetzeswidrig sind und die Leute werden reihenweise zu den Erhebungszeiten in die dritte Berwerbertrainingsmaßnahme nacheinander geschickt.

Die Folge dürfte klar sein: Jeder hat zunehmend Angst, in diesen Strudel der Armut und Auslieferung gespült zu werden. Ein Aufatmen also für die Arbeitgeber, die jahrelang unter Repressionen wie Kündigungsschutz, 35 Stunden-Woche, Betriebsräten und Tarifverträgen leiden mussten. Das wird natürlich auch sofort fleißig genutzt, der Standard bei Neueinstellungen, zumindest im unteren Lohnsegment, sind mittlerweile maximale Probezeit und 2 jeweils verlängerte Zeitverträge. Erst wenn sich der Arbeitnehmer in diesen zwei Jahren wirklich bis zum letzten Verausgabt und sich keine Fehler geleistet hat wird dann vielleicht mal über eine unbefristete Anstellung gesprochen. Aber auch hier ist eine Entlassung ja kein Problem mehr, irgendein Grund lässt sich immer konstruieren – mit dem Ergebnis das es Arbeitsrechtklagen wegen Pfandbons, aus dem Müll geklautem Essen und aufgelandenen Handies gibt. Von sozialer Verantwortung, zu der eigentlich jederman laut Grundgesetz verpflichtet ist, keine Spur mehr.

Im Gegenteil reicht das vielen Unternehmen nicht mehr. Es werden flexibel Leiharbeiter eingesetzt, beziehungsweise werden sogar spezielle Leiharbeitsfirmen gegründet und die eigenen Arbeitnehmer entlassen mit dem Hinweis, das sie ja über die Leiharbeitsfirma für die Hälfte des alten Lohnes wiederkommen könnten. Auch mit festangestellten Arbeitern auf Stundenlohn-Basis läuft es nicht viel anders – wenn keine Arbeit da ist heißt es oft “du bleibst jetzt mal zwei Wochen zuhause”, und der Arbeitnehmer schaut in die Röhre. Erst werden in diesen Nullzeiten Überstunden abgebaut, danach der Urlaub, danach der Lohn. Die Finanzkriese mit ihren gelockerten Kurzarbeiterreglungen hat den Arbeitgebern sehr gut geschmeckt. Wem das nicht passt, der kann ja zuhause bleiben.

Wenn man sich anschaut wie sich der Arbeitsmarkt in den letzten 10 Jahren radikalisiert hat wird einem mit Blick auf die Zukunft Angst und Bange. Wer im mittleren und unteren Lohnesgment kann schon noch planen? Ein Haus bauen? Ein Auto finanzieren? Glatter Selbstmord. Langfristig wird das alles jedoch zu massiven Verlusten und Bewegungslosigkeit führen. Aber mal ehrlich, leider denken auch Unternehmer nicht mehr langfristig.

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