Gedanken zu den Talkshows gestern

Sagen wir es gerade heraus: die Talksendungen gestern waren frustrierend. Just ist Schlecker zusammengebrochen, unsere Altparteien ergötzen sich wieder in “wir-sind-toll-die-anderen-sind-böse” Phrasendrescherei, die teilweise, wie Kurt Beck bei Illner, doch arg unter die Gürtellinie ging. Und unsere Piraten konnten nicht besonders viel dazu sagen. Das ist nicht ihre Schuld. Es ist unsere. Wir müssen unseren Medienpiraten einfach mal Dinge erlauben, müssen ihnen gestatten sich weit aus dem Fenster zu lehnen ohne das ein Instant Shitstorm auf sie hineinregnet. Und ganz besonders müssen wir sie briefen über unsere aktuellen Arbeitsstände.

Wenn es um Fragen der Tagespolitik geht müssen usere Vorturner einfach Handlungsfähig bleiben. Der gestrige Einwurf des Armutsforschers bezüglich unseres Sozialstaat 3.0 Arbeitsstandes bei Beckmann hätte von Tirsales recht einfach entkräftet und demaskiert werden können, wenn er das Wissen darum kurz vorher via Simon Stützer, Johannes Ponader, Michael Ebner, Ritchie, Olaf oder meiner wenigkeit bekommen hätte. Das war nicht der Fall, also sitzt er dort in einer doch sehr unbequemen Situation. Ich weiß natürlich nicht, inwieweit im Vorfeld solcher Shows die Themen kommuniziert werden. Aber wenn sie kommuniziert werden, halte ich es für extrem wichtig das dies alles bei einer zentralen Person aufschlägt, welche dann die richtigen Leute antriggert. Ein Parteiinterner Knowledge-Scout sozusagen.

Ich finde auch das wir durchaus, gerade in solch beklemmenden Situationen, mal ganz frech die Systemfrage stellen sollten, welche durch verkrustetes Denken seit Jahrzehnten in Stein gemeißelt im Raum steht. Wenn dort gesagt wird, das Deutschland derzeit 2 Billion Euro Schulden hat, dann muss es doch mal gestattet sein anzumerken, das wir da niemals von runterkommen werden weil allein die Zinsen jegliche Rückzahlungsbemühungen völlig ad absurdum führen. Ganz einfach Rechnung. Und DANN stellen sich die Großkopferten hin und feiern ihre sinkende Neuverschuldung. Das ist so vollkommen absurd das man eigentlich laut loslachen möchte. Unser gesamtes Zins- und Zinseszinssystem ist überhaupt nicht auf eine dermaßen lange Laufzeit ausgelegt. In der Vergangenheit gab es an den Wendepunkten der Finanzwirtschaft immer einen großen Krieg, verbunden mit dem dicken Resetbutton und dem Neustart.

Wenn wir uns anschauen wie die Parlamente gerade zerfallen, dann sieht man doch das die Parteien die uns dort hingebracht haben, genausowenig wissen wie sie da wieder rauskommen. Wir stehen also wieder am Rande eines solchen zusammenbruchs, sie stehlen sich quasi aus der Verantwortung und wir alle können von Glück reden das derzeit nicht wieder die Rechten die Nutznießer des Totalversagens der Altvorderen sind, sondern die Piraten.

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2 Kommentare zu “Gedanken zu den Talkshows gestern”

  1. Cae sagt:

    Den Knowledge-Scout nennt man AG-Sprecher bzw. Ansprechpartner der Sozialpiraten etc. Wir brauchen kein Hütchen, sondern bessere Übersicht. Und Vorstände, die tatsächlich vorher fragen (manche tun es beim Urheberrecht, andere nicht).

    Das Problem ist auf beiden Seiten: Themenpiraten, die entweder kein passendes Angebot haben oder es nicht kommunizieren, Medienpiraten, die sich zu wiederkehrenden Themen wenig / gar nicht briefen lassen.

    Vllt sollten wir generell über regelmäßige Themenbriefings RL/Mumble nachdenken.

  2. Bombasstard sagt:

    Vermutlich ist es mit EINEM Knowledge-Scout nicht getan, da müsste vermutlich ein ganzes Team her.
    Idealerweise so etwas wie eine Hotline – “Hilfe, ich muss in eine Talkshow oder ein Interview und brauche Unterstützung”, die dann schnell Kontakte herstellen kann.

    So eine interne Organisation wäre auch über den Wahlkampf hinaus Gold wert, wenn wir dann endlich Realpolitik machen dürfen ;-)

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