Die Entsolidarisierung der Gesellschaft

Seit diesem Wochenende kocht die Rentendiskussion wieder hoch. Arbeitsministerin von der Leyen hat irgendwelche Zahlen und Hochrechnungen bekommen, welche besagen, das jeder, der 2.500 Brutto oder weniger verdient, als Rentner zum Aufstocken gezwungen wird.

Das alte Lied des demographischen Wandels wird gesungen, weshalb wir demnächst wohl bis 80 auf den Dächern rumklettern müssen und arbeiten dürfen, bis wir einfach tot umfallen. Das unglaubliche Argument “viele alte Menschen WOLLEN ja noch arbeiten” kann ja auch nur aus dem Lager derjenigen kommen, die eh schon Managementposten oder vergleichbares haben – die meisten Alten wollen nicht, sie müssen.

Und was wird nicht alles tolles erfunden, Riesterrente zum Beispiel. Die kann von kleinen selbstständigen Krautern und Beschäftigten im Niedriglohnsektor in keinster Weise geleistet werden, tja, Pech. Aber die Politik ist so weit von der Lebensrealität der, leider zunehmend schweigsamer werdenden, Mehrheit der Bevölkerung entfernt, das sie sowas überhaupt nicht mitbekommt. Man lebt in seiner eigenen, kleinen Blase.

Wo liegt das eigentliche Problem? Unser Rentensystem muss solidarischer organisiert werden. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, und beispielsweise Beamte (Pensionen), Ärzte, Anwälte und Steuerberater (Versorgungswerke) sich aus dem gesamtgesellschaftlichen System ausklinken und die Beitragsbemessungsgrenze, aber der man nicht mehr verpflichtet ist, dem Einkommen angemessen in die staatlichen Sozialsysteme einzubezahlen, existieren, werden die Renten immer nur aus den unteren Lohngruppen getragen. Das kann nicht funktionieren.

Frau von der Leyen kommt jetzt mit einer Zuschussrente um die Ecke. Auch hier will sie wieder nur an den Symptomen herumdoktoren, nicht aber die eigentliche Erkrankung bekämpfen. Und diese ist schlicht und ergreifend ein zunehmender Egoismus der Besserverdiener. Und wer nicht dazugehört, der hält trotzdem die Klappe weil er immer die Hoffnung hat, eines schönen Tages selbst viel zu verdienen. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft findet statt, und sie muss aufgehalten werden.

Ein Entwurf, der piratiges Rentenprogramm werden könnte, findet sich im Liquid Feedback

3 Kommentare zu “Die Entsolidarisierung der Gesellschaft”

  1. [...] Seit diesem Wochenende kocht die Rentendiskussion wieder hoch.  [...]

  2. Das BGE, wenn richtig berechnet,scheint immer näher zu rücken!
    Wichtig ist es, die ewigen Bedenkenträger anzustoßen, kreativ mit zu denken!
    Wenn man will, kann man in jeder Suppe ein Haar finden.
    In Schlagworten: Steuern vereinfachen und gerechter gestalten, den größten Anteil der Subventionen streichen und in Bildung investieren. Finanztransaktionssteuern, Reichensteuer, Beamtenstatus einschränken (nur Judikative und Legislative sollten wirklich
    “verbeamtet sein”), Stadtstaaten erübrigen sich (was nicht sofort durch Einsparungen Geld in die Kassen spült, da die Damen und Herren ja Ansprüche haben)
    Man kann die Liste erweitern, berechnen und auf der Basis ein BGE fordern, dessen Höhe
    gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht!
    Dass nichts davon sofort passieren kann, ist uns klar, aber kein Grund, es nicht zu fordern
    und mit Zahlen zu untermauern!

  3. Jürgen sagt:

    Was heißt denn hier wer weniger als 2500 brutto verdient dem droht Altersarmut? Ich verdiene deutlich mehr, zahle seit über 20 Jahren ein. Bis zur Rente wird es na h heutigem Stand noch 26 Jahre arbeiten. Mein Rentenbescheid von letzter Woche geht aber nur von 1250 Euro Rente aus und das auch nur wenn ich weiter so gut verdiene. Und 1250 in 26 Jahren, da ist fraglich ob das dann überhaupt noch dem Existenzminimum entspricht.

Was denkst du?