Den Kaffee auf

Ein Leserbrief als Antwort auf den Leserbrief von Frau Silvia Wagner, Soester Anzeiger 16.06.2015

So ganz allmählich gehen auch mir die armen, besorgten Bürger die ja völlig alleine mit ihrem “Krähenproblem” sind, auf die Nerven. Ständig wird unterstellt, wir Tierschützer hätten ja nichts mit den Saatkrähen zu tun und wären nicht betroffen, sonst würden wir nicht so reden. Das ist unglaublicher Blödsinn. Ich wohne im 6. Stock, die Krähen sammeln sich morgens und abends direkt vor meinem Balkon, auf Augenhöhe. Ja, das ist laut. Nein, es stört mich nicht.

Wir sind ein Teil dieser Welt. Die Saatkrähen leben in unserer Stadt, weil WIR den Hals nicht voll bekommen, weil auf den Feldern immer mehr Technik und Chemie zum Einsatz kommen muss, um unseren unstillbaren Hunger wenigstens einigermaßen zu besänftigen. Um jeden kleinen Waldbestand in fruchtbares Ackerland umzuwandeln. Um täglich mehr davon wegwerfen zu können.

Ist mal jemandem aufgefallen, dass es kaum noch Insekten gibt? Damals, als ich den Führerschein frisch hatte, war meine Frontscheibe am Auto ständig vollgeklebt und schmierig. Und heute? Vergleichen Sie das bitte mal, ganz objektiv. Wir richten unsere Welt zugrunde. Die Saatkrähen sind nur ein kleiner Teil, aber sie sind symptomatisch. Was mir nicht in den Kram passt, wird platt gemacht. Weg da, hier komm ich.

Mich nerven auch einige Leute. Darf ich die auch “lethal vergrämen”, so wie sie es fordern? Für mich gibt es nur zwei gute Gründe, ein Tier zu töten: Entweder, ich muss mich verteidigen (im Sinne von: Das Tier oder ich überleben, nicht im Sinne von: Es nervt mich) oder ich möchte es essen. Alles andere ist nach meinem Empfinden typisch menschliche Überheblichkeit und unethisch. Der Mensch musste intelligent werden, weil er körperlich zu schwach war zu überleben. Was für ein fataler Fehler der Evolution.

2 Kommentare zu “Den Kaffee auf”

  1. gabriele hupp sagt:

    @ Fizz,

    vielen Dank.Du sprichst mir aus der Seele.

  2. NoName sagt:

    Die Insekten müssen sich heute auf viel, viel mehr Autoscheiben verteilen. Soll heissen: so eine Aussage kann kaum als ernsthafter Beleg gelten, dass es weniger Insekten gibt. Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass es Zahlen dazu gibt. Aber Windschutzscheiben sind ungeeignet….

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